Anmerkungen zum Thema „Textilienzensur“
Vor allem Alt-SED-Kader, PDS und Antifa-Gruppen in Brandenburg entfachten vor einigen Jahren eine Kampagne gegen die Modemarke THOR STEINAR, die man als versteckten Code der Neonazi-Szene ausgab. Gleichzeitig rief man förmlich zum Boykott von Modegeschäften auf, die diese Marke vertrieben. („Deutsche! Kauft nicht bei …!“). Das „Verbrechen“ der in Königs Wusterhausen ansässigen Bekleidungsfirma MediaTex, eine Firma deren Name vielleicht nicht ganz so bekannt ist, wie ein von ihr vertriebenes Modelabel „Thor Steinar“, bestand angeblich darin, ein Signet zu verwenden, in dem altnordische Runen verarbeitet waren. Das sei „neo-nazistisch“. Verunsicherte Polizei- und Rechtspflegeorgane, deren Personal teils die Antifa-Gesinnung der Ex-DDR teilte, sich teils aber auch im „Kampf gegen rechts“ keine Laschheit vorwerfen lassen wollte, verfolgten die Träger der MediaTex-Marke eine Zeit lang sogar strafrechtlich.
Obwohl das Oberlandesgericht Brandenburg bereits am 12. September 2005 ein Machtwort gesprochen hatte, das Vorwürfe, die Firma würde in ihren Logos NS-Zeichen verwenden, ad absurdum führt, nimmt die Antifa-Kampagne gegen die Firma kein Ende. Teils erst dadurch auf die Marke gestoßen, tragen inzwischen tatsächlich auch Angehörige der „rechten Szene“ und/oder pubertär-oppositionelle Jugendliche häufig Kleidungsstücke dieser Marke, was freilich die Frage aufwirft, was denn mit den „Rechtsextremisten“ ist – und meist sind es sogar führende – die diese Modemarke nicht tragen oder den vielen Menschen, die „Thor Steinar“ tragen, weil ihnen einfach die Jacken oder Pullis gefallen, ohne dass sie deshalb einer bestimmten politischen Richtung angehören würden.
Gemessen an diesem Aspekt könnte man wohl so ziemlich jede Modemarke in Generalverdacht bringen, mit politischen Kontrahenten des herrschenden Parteienkartells zu kooperieren. Daß es nicht viel bringt (nicht einmal mit dem Opfer von vielen Millionen Euro) sich gegen solchen Gesinnungseifer zu wehren, zeigt das Schicksal der Firma Lonsdale, die aus ähnlichen Gründen angefeindet wird wie MediaTex. Obwohl die Firma sich inzwischen mehrfach distanzierte und sehr viel Geld in anti-rechte Stiftungen fließen ließ, gilt sie nach wie vor politisch überkorrekten Kreisen als Feindbild. Dabei wäre es aber doch über-raschend, wenn die Beliebtheit einer Modemarke gleich alles über die politische Richtung derer, die sie tragen, aussagen würde.
Auf dem Höhepunkt der Thor-Steinar-Kampagne gab es zeitweise sogar regionale Verbote des Runen-Logos. Erst das erwähnte Machtwort des brandenburgischen Oberlandesgerichtes (9/2005) unterband diesen politisch überkorrekten Unfug. Ungeachtet dessen ist die Firma Mediatex nach wie vor Anfeindungen und einer regelrechten Ächtung durch Kreise der politischen Linken ausgesetzt. Seit dem rechtskräftigen Beschluß des OLG Brandenburg hat die strafrechtliche Bedrohung von Trägern dieser Modemarke aufgehört, aber Sympathisanten der linksradikalen Antifaszene gehen immer noch auf die Jagd nach „unkorrekten“ Pullis oder Jacken – solange man es ihnen nicht verwehrt.
In den „neuen“ Bundesländern fühlen sich viele an alte, längst vergessen geglaubte DDR-Zeiten erinnert, wo man westlichen Modemarken zuweilen ebensolche Beschränkungen auferlegte. Im SED-Staat wurden Träger von Kleidungsstücken, die mit Abzeichen wie Stars and Stripes, Union Jack oder Pflugscharen versehen waren, schikaniert und teils von schulischen Veranstaltungen ausgeschlossen oder zum Umziehen nach Hause geschickt.
Die geistige Haltung der Intoleranz und der Rechthaberei, die hinter solchen Maßnahmen sichtbar werden, kann man nicht besser beschreiben, als dies der Theologe und Philosoph Richard Schröder (die „Hoffnung“ der nach dem Sturz der SED-Diktatur wieder erstandenen Ost-SPD) im Leitartikel des Berliner „Tagesspiegel“ vom 28. November 2004 unter dem Titel „Zensur bleibt hilflos“ getan hat. Er geißelte die Hexenjagd auf Textilien mit den Worten: „Diese Textilienzensur ist nicht die selbstbewusste und gelassene Selbstverteidigung der Demokratie, sondern eine Mischung aus Gespensterfurcht und inquisitorischer Zensorenmentalität.“
Dem ist nicht viel hinzuzufügen. Außer vielleicht die Verwunderung darüber, wie lange es dauern kann, bis sich ein rechtskräftiges Urteil des OLG Brandenburg von der Oder bis zum Rhein herumgesprochen hat.
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