Pullover bedrohen die Demokratie |
| 07:26, 29.04.2008 |
Leserbrief zum Artikel: „Die Nazis sind gefährlich“ vom 25.01.08 in der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“
Gekürzt abgedruckt am 31.01.08
Pullover bedrohen die Demokratie
Ein Arzt verweigert die Behandlung von vermeintlichen „Nazis“T-Shirts und Pullover der Marke „Thor Steinar“ sind gefährlich - so gefährlich - daß der ehemalige Oberstabsarzt und erklärte EU-Verfassungsgegner Dr. Rauhut in seiner Praxis „Schwindelanfälle“ bekommt wenn er Patienten mit diesen Kleidungsstücken sieht. So ist es jedenfalls in einem Schaukasten in seiner Praxis zu lesen. Er gerate in einen Zustand, in dem er keine medizinische Behandlung mehr durchführen könne und selbst eine solche benötige steht da weiter zu lesen. Letzteres möchte man fast glauben und gleichzeitig hoffen, daß dieser dann den Eid des Hippokrates nicht brichtwie er und ihn – trotz Bundeswehrvergangenheit oder PDS-Mitgliedschaft - behandelt. Ein abenteuerliche Theorie, ein Rückschluß von Kleidungsstücken ohne konkrete Aussage auf das spezifische Denken und Fühlen der Menschen die sie tragen. Wer Norwegerpullis trägt, verbrennt auch Menschen? Um was ging es eigentlich bei diesem Minniaufstand der „Anständigen“ kurz vor Weihnachten in der Bahnhofstraße? In der Bahnhofstraße befindet sich das Bekleidungsgeschäft „Explosiv“ und hier wird seit über fünf Jahren die Marke „Thor Steinar“ verkauft. Dies sollte mit dem Verteilen von Flugblättern nun verhindert werden, mit Flugblätter, die „anstandshalber“ nicht unterschrieben waren oder sonstwie einen Verantwortlichen im Sinne des Pressegesetz erkennen ließen und damit Rechtswidrig verteilt wurden. Um es vorweg zu nehmen - es wurde nicht verhindert und es wird auch in Zukunft nicht verhindert werden. Im Gegenteil: demnächst dürfen sich die Verteiler der Hetzpamphlete vor dem Staatsanwalt wegen Boykotthetze, Beleidigung, Geschäftsschädigung und übler Nachrede erklären, denn nichts anderes war der Zweck dieser Aktion. Auch Herr Dr. Rauhut sollte sich eine bessere Erklärung für die Verweigerung ärztlicher Hilfe einfallen lassen, damit die von ihm abgewiesenen Patienten verstehen warum sie weiter leiden müssen statt behandelt zu werden. Normal ist daß jedenfalls nicht, auch wenn die Mitglieder der „Bürgeriniative“ für „normale Bürger“ gehalten werden wollen. Es ist doch wohl eher sonderbar, daß sich Bürger mit dem Verdacht zusammentun, daß der Verkauf von Pullovern, T-Shirts und Wollmützen den Anfang vom Ende des deutschen Rechtsstaates und den Zusammenbruch der Demokratie ankündigen könnte. Die Bürgeriniative scheint den Kampf gegen Runenpullover mit dem Kampf für die Demokratie zu verwechseln. “Diese Textilienzensur ist nicht die selbstbewußte und gelassene Selbstverteidigung der Demokratie, sondern eine Mischung aus Gespensterfurcht und inquisitorischer Zensorenmentalität.” Urteilte schon 2004 der Sozialdemokrat und Berliner Verfassungsrichter Richard Schröder. Hoffentlich unterbleibt solcher Unsinn in anderen Gemeinden.
Rainer Schmidt
Zurueck