Der Glei-Witz
Wie "Nachrichten" gemacht werden
Ein "Sturm im Wasserglas" brach los, als sich die Firma Mediatex GmbH entschloß, vom 10.12.2006 an einen Werbespot auf dem Lokalradio "Sender KW" zu schalten. Mit der Sendeleiterin Cornelia Gödecke wurde ein sogenanntes "Patronat" für die Blitzermeldungen nach dem Verkehrsbericht vereinbart. Jede halbe Stunde war nun zu hören: "Die Blitzermeldungen werden ihnen präsentiert von Thor Steinar, the nordic company - - - Die Blitzermeldungen wurden ihnen präsentiert von Thor Steinar, Dein Freund und Helfer...".
Zwei Tage später setzte das Pressegeheul ein.
Hier eine Auswahl von Überschriften in umgekehrter, chronologischer
Reihenfolge:
Sendercheffin Cornelia Gödecke
Dipl. Historikerin, ehemalige
Landtagsabgeordnete der SPD
11.01.07
Polizei meldet Blitzer nicht mehr - Der Tagesspiegel
09.01.07
Protest gegen Thor-Steinar-Werbung im Radio: Vize-Chef der Stiftung tritt zurück / Keine Blitzermeldungen mehr von der Polizei - Märkische Allgemeine
03.01.07
Hersteller von Neonazi-Outfit sponsert Verkehrsfunk - Frankfurter Rundschau
30.12.06
Textilfreie Zone - taz
30.12.06
Landrat unterstützt Boykott-Aufruf - Berliner Zeitung
23.12.06
Runenlogo: Kritik an Sender KW - Berliner Morgenpost
23.12.06
Radio-Chefin: Landrat ist feige - Märkische Allgemeine
23.12.06
Radio macht Geschäfte mit Modelabel der rechten Szene - Der Tagesspiegel
21.12.06
Noch mehr „Thor Steinar“ ... - Indymedia 21.12.06
Wir distanzieren uns - taz
21.12.06
Noch mehr „Thor Steinar“ - Märkische Allgemeine
20.12.06
»Sie liebt das feste Gewebe« - Jungle World
20.12.06
Thor Steinar und kein Ende - Indymedia
16.12.06
Immer schön rechts fahren - taz
15.12.06
Streit um Modemarke - Märkische Allgemeine
15.12.06
„Freund und Helfer“ - Märkische Allgemeine
12.12.06
Kein Raum für Nazis!
Gleichzeitig wurden auch andere Register gezogen. Am selben Tag, dem 12.12.2006 wurden dem Sender von dem aufgehetzten Vermieter die Räumlichkeiten gekündigt, Werbekunden stornierten ihre Aufträge und Hunderte e-mails und Anrufe gingen beim Sender ein.
Die Meinungen waren geteilt und hielten sich in pro und contra die Waage.
Da mischte sich, unaufgefordert und völlig sinnlos der Landrat des Landkreis Dahme Spreewald Wille (SPD), mit einer Presseerklärung in die Debatte ein und forderte zum Boykott des Senders auf:
PRESSEINFORMATION Lübben, 21. Dezember 2006
Landrat distanziert sich vom Sender KW
![]() |
| Landrat Martin Wille, SPD |
„Die Werbung für die umstrittene Bekleidungsmarke Thor Steinar im Sender KW ist zutiefst unappetitlich“ meint Landrat Martin Wille zu dem seit kurzem im Regionalradio gesendeten Werbespot. Allein wirtschaftliche Not könne nicht zu politisch so unsensiblen Entscheidungen der Geschäftsführung des Senders führen.
„Ich bin besonders erbittert darüber, wie die jahrelange Arbeit meiner Verwaltung, des Kreispräventionsrates und aller engagierten Demokraten gegen die rechtsradikale Szene – insbesondere im Bereich der Aufklärung über Symbole, Praktiken und Bekleidung – durch solche Aktionen konterkariert wird“, so der Landrat weiter.
Den Äußerungen von Erhard Lemmink in seinem Leserbrief in der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 18.12.2006 mit den damit verbundenen Boykottaufrufen gegen den Sender stimmt der Landrat ausdrücklich zu.
„Ich distanziere mich öffentlich vom Sender KW und werde jegliche Beziehungen zu diesem Sender sofort abbrechen“, betont Wille.
Seine Hochachtung und Unterstützung gelte weiterhin denjenigen, die in Halbe, Seelow und Lübben den Rechtsradikalen entschlossen entgegen getreten sind und die sich in Schulen, Jugendclubs, Vereinen und Feuerwehren um Aufklärung der jungen Menschen engagiert bemühen.
Diese Presseerklärung wurde in einem Artikel in der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ Auszugsweise Zitiert. Die Firma Mediatex GmbH fand Gelegenheit im gleichen Medium darauf zu antworten:
Stellungnahme zum Artikel “Noch mehr `Thor Steinar´, von Frank Pawlowski, vom 21.12.2006
„Meister Propper“ und die Biedermänner
Im Landkreis Dahme-Spreewald scheint es in Mode gekommen zu sein, schmutzige Wäsche zu waschen. Nicht anders ist es zu erklären, daß sich selbsternannte „Saubermänner“ mit einer Textilmarke aus Zeesen beschäftigen. Die Marke „Thor Steinar“ wurde schon vor zwei Jahren, von interessierten Kreisen mit braunem Dreck beworfen, in der Hoffnung, daß etwas davon kleben bleibt, damit „aufgestandene Anständige“ diesen selbst produzierten Mist dann wieder medienwirksam vorzeigen konnten. Das war das Zeichen für die Lemminge sich zu rühren. Sich in der Weihnachtszeit als Moralapostel aufzuspielen scheint Schule zu machen. Diese Methode, nämlich die der sich selbsterfüllenden Prophezeiung, wird nun von Politikern aller Farbschattierungen wieder angewandt, um eine völlig normale Werbemaßnahme der Firma Mediatex GmbH zu brandmarken. Der Bekleidungsmarke „Thor Steinar“ wird wieder eine nebulöse Nähe zu politisch rechts stehenden Kreisen nachgesagt. Schon hebt ein faktenverdrängendes Geschwafel an. Die von der Firma vorgelegten Fakten stören dabei natürlich. Für die Falschbehauptungen stehen keine Zeugen zur Verfügung, die Verbreitung dieser Lügen erfolgt über falsche Adreß- und Personenangaben. Das Oberlandesgericht Brandenburg hatte schließlich schon 2005 festgestellt, daß das alte Markenlogo eben kein Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen war und die Firma Mediatex GmbH hat sich von politischen Bestrebungen jeder Couleur distanziert . Über die Verfolgung der Marke „Thor Steinar“ mit diesen erfundenen Behauptungen hinaus, wird nun auch noch die Geschäftsführerin des Senders Königs Wusterhausen mit absurden Vorwürfen überhäuft und selbst ihre SPD-Genossen schrecken nicht einmal vor einer Straftat, dem Aufruf zum wirtschaftlichen Boykott des Senders, zurück. Dies alles nur um sich selbst in der Öffentlichkeit nach dem Motto: „wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß“ zu beweihräuchern. Mit demokratischem Umgang von Politikern innerhalb der ältesten Partei der deutschen Demokratie hat ein solches Vorgehen nichts zu tun. Hier werden eher altstalinistische Attitüden sichtbar. Es wird Feuer unter dem Waschzuber gemacht und kräftig darin herumgerührt. Etwas Sauberes wird dabei nicht herauskommen. Soll es auch nach dem Willen interessierter Kreise gar nicht. Das Feuer muß weiter erhalten bleiben, damit jeder sich darauf sein Süppchen kochen kann. Die unappetitlichen Zutaten jedenfalls hat man selbst schon hineingetan.
Rainer Schmidt für die Firma Mediatex GmbH
Es folgten verschiedene Presseerklärungen von Parteien, darunter eine Gemeinschaftspresseerklärung, die hier gekürzt wiedergegeben ist:
Gemeinsame Presseerklärung der Kreisverbände von Linkspartei.PDS und DKP sowie der Antifa Königs Wusterhausen
Der politische Skandal, den die Geschäftsführerin des „Sender KW“ mit ihren Geschäftsbeziehungen zur Firma Mediatex provoziert hat, erschüttert uns. Es ist offenkundig, daß die von Mediatex produzierte Marke „Thor Steinar" rassistische und militaristische Inhalte transportiert. Deshalb uniformiert sich, die rechte Szene mit diesen Produkten. Es darf nicht sein, daß eine rechte Modemarke mit Unterstützung des Senders KW weiterhin für sich werben kann und den Zulauf für die braunen Unverbesserlichen verstärkt!
Michael Betmann Horst. Brand Linkspartei.PDS DKP
![]() |
| Meinung aus der linken Ecke Bürgermeister Ludwig, PDS |
Nun fühlte sich auch Bürgermeister Ludwig sich bemüßigt der Presse etwas zu erklären.
Diese Erklärung fand sich in einem Artikel im „Wochenspiegel Königs Wusterhausen“ zitiert:
Ludwig: „Verbot ist unerlässlich"
∎ Königs Wusterhausen (WS/ sbr). Zur Werbung im Radiosender KW für die umstrittene Bekleidungsmarke „Thor Steinar" der Zeesener Firma MediaTex hat der Bürgermeister von Königs Wusterhausen, Stefan Ludwig, jetzt noch einmal seine Position klar gemacht. Seine Haltung zu der ausgestrahlten Werbung sei unmissverständlich, betonte er. „Die öffentliche Diskussion über die Werbung hat nicht nur dem Sender geschadet, sondern auch dem Image der Stadt. Es wäre besser gewesen, wenn die Geschäftsführung darauf verzichtet hätte", so Ludwig. Für ihn steht fest: „Das eigentliche Problem jedoch ist, dass man in Brandenburg gegen eine Bekleidungsmarke, die Rechte ausstattet und die neonazistische und gewaltverherrlichende Bild- und Wortmarken verwendet, nicht vorgeht. Ein gesetzliches Verbot ist unerlässlich." Der Geschäftsführung des Senders habe es an politischer Sensibilität gemangelt. Da aber das Tragen der Bekleidungsmarke in Brandenburg nicht verboten ist, bleibe auch das Handeln des Senders legal.
Auch auf diesen Artikel konnte die Firma Mediatex GmbH in der gleichen Zeitung Antworten:
Stellungnahme der Firma Mediatex zum Artikel: „Ludwig: `Verbot ist unerläßlich´“ vom 24.01.07
Nicht nur Bürgermeister Ludwig hat sich immer wieder eindeutig positioniert, auch die von ihm angegriffene Firma Mediatex GmbH aus Zeesen hat immer wieder ihren Standpunkt klargemacht. So am 28.12.06 in der MAZ, in Form eines Leserbriefes, der in der „Berliner Zeitung“ vom 29.12.06 zitiert wurde: „...die Firma Mediatex GmbH hat sich von politischen Bestrebungen jeder Couleur distanziert.“ Zuvor am 15.12.06 hatte der Geschäftsführer der Mediatex, Uwe Meusel, der MAZ gegenüber festgestellt: „Wenn wir für eine Randgruppe produzieren würden, egal ob links oder rechts, könnten wir nicht so wachsen, wie wir das im Moment tun.“ Dieses Wachstum ruft natürlich Neider auf den Plan. Aus Mitbewerberkreisen auf dem heftig umkämpften Bekleidungsmarkt kamen die Anweisungen - als Insiderinformationen getarnt - zu politisch einseitig interessierten Kreisen. Von hier aus fanden sie Verbreitung. Tatsächlich stellt die Behauptung von Herrn Ludwig, Thor Steinar sei: „...eine Bekleidungsmarke, die Rechte ausstattet...“ die kritiklose und unüberprüfte Übernahme von Behauptungen aus Antifa-Gruppen dar, die sich selbst am Rande der Legalität bewegen. Das hatte der Bundesverfassungsschutz zumindest der DKP noch 2005 bescheinigt, die „Antifaschistische Aktion“ fand Zeit ihres Bestehens im Verfassungsschutzbericht Erwähnung. Mit der DKP und ihren Kindern, der Antifa, zusammen hatte die PDS in einer Presseerklärung die Wortwahl vorgegeben, der sich Herr Ludwig in treuer Parteiräson bediente. Er sprach klassenkämpferisch von der vermeintlichen Verwendung von: „...neonazistischen und gewaltverherrlichenden Bild- und Wortmarken...“. Würde man diesen wirren Ausführungen glauben, hätte sich die für Wort- und Bildmarken zuständige Stelle, das Deutsche Patent- und Markenamt, einer Straftat schuldig gemacht. Oder sind das etwa auch...? – Wer weiß, wo die selbsternannten Antifaschisten noch überall „Nazis“ wittern? Es ist auch egal wo, Hauptsache es gibt sie und zwar als Gefahr, denn ohne diesen imaginären Feind der Demokratie flössen auch keine Steuergelder in die ewig leeren Kassen der Anhänger von Massenmördern wie Stalin und anderer Gewaltherrscher unter dem roten Stern. Ja, ohne den selbstgebastelten rechten Popanz, in Thor Steinar Sachen, hätten die Mobilen Beratungsteams gegen „rechts“ gar keine Existenzberechtigung mehr. Der von linksaußen ausgerufene antifaschistische Gihad muß mit allen Mitteln fortgeführt werden. Wenn aber die Wort-Bildmarken von Thor Steinar, darunter das alte Firmenlogo, vom Oberlandesgericht als „nicht verfassungsfeindlich“ eingestuft werden, das Patent- und Markenamt alle Marken widerspruchslos eingetragen hat und das Tragen der Marke erlaubt ist, was soll denn dann noch verboten werden, sehr geehrter Herr Ludwig – die Menschen, das Denken?
Rainer Schmidt für die Mediatex GmbH
Dies stellt zugleich den Höhe- und Endpunkt der Auseinandersetzung um die Werbung für die Marke „Thor Steinar“ im Lokalradio „Sender KW“ dar. Im Grunde waren es nur noch die Nachwehen, der Werbevertrag war am 10.01.2007 ausgelaufen.
Es steht aber zu befürchten, daß diese Provinzposse eine Fortsetzung erfährt. Wir sind gespannt.
Für die Mediatex GmbH, Rainer Schmidt
Nachtrag: Leserbrief
Sehr geehrte Damen und Herren,
anbei finden Sie einen Leserbrief zum Thema „Sender KW“ und „Thor Steinar“.
In den letzten Wochen konnte man einige Dinge über den „Sender KW“ bezüglich des Modelabels „Thor Steinar“ hören und lesen. Ich selbst trage keine Kleidung dieser Marke und ordne mich auch nicht als „rechts“ ein. Im Gegenteil, viele Jahre habe ich in div. Initiativen gegen Rechtsextremismus gekämpft.
Trotzdem (oder gerade deshalb?) bin ich zutiefst geschockt über die hier dokumentierten Vorgänge. Da wird ein Rundfunksender unter tatkräftiger Unterstützung des Staates mit Boykottaufrufen überzogen, weil er es wagt mit Firmen Geschäftskontakte zu pflegen, welche ihrerseits unerwünschte Elemente als Kunden haben. Nicht nur der Staatsfeind wird fertig gemacht, sondern auch die Firma seiner Hosenmarke, ja sogar der Sender, in dem dieses Label Werbung macht. Ein Gesinnungsterror bis ins dritte Glied, welcher unter der heiligen römischen Inquisition fanatischer nicht hätte seien können.
Ich gebe zu, daß ich langsam Angst bekomme: Nicht vor ein paar streunenden Neonazis, sondern vor den Ideologen der sog. „Zivilgesellschaft“, die gar nicht merken, daß sie längst zu einem Spiegelbild dessen geworden sind, was sie zu bekämpfen vorgeben. Das alles ist Lichtjahre von meinen alten Zielen entfernt. Niemals wollte ich Menschen, Firmen oder Institutionen wegen ihrer Meinung „fertig machen“, sondern ich wollte die Opfer von Gewalt schützen, gleichzeitig aber die Herzen und Köpfe der Täter zurückgewinnen.
Ich kann den Sender KW nur beschwören, sich nicht „fertig machen“ zu lassen. All jene selbstgerechten Berufsdemokraten haben vergessen, daß man Extremisten ausschließlich (!!!) durch offenen Dialog erreicht und nicht, indem man ihre Kleidung verbietet. Diejenigen, die heute über Sender KW hetzen, haben entweder nichts verstanden oder ganz andere Ziele.
*********************************************
Christian Erkelenz


